2019-11-15

Dem Tanz auf die Sprünge geholfen

140. Geburtstag des Pressburgers Rudolf von Laban

 

 

 

 

Im Dezember jährt sich zum 140. Mal der Geburtstag des Preßburgers Rudolf von Laban. „Im Anfang war nicht das Wort, sondern der Tanz“ war eines der Bekenntnisse des Tänzers, Choreographen und Theoretikers.

Jozef Dolinský, seit bald 30 Jahren am Slowakischen Nationaltheater und acht Jahre schon deren Ballett-Direktor, zählte schon von Anfang an zu seinen Verehrern. „Über Laban habe ich auch meine Diplomarbeit geschrieben“, erzählt der auf der Komenius-Universität ausgebildete Philosoph und lange Zeit aktive Tänzer. „Laban hat den Tanz wieder populär, für die ganze Gesellschaft offen gemacht“, so Dolinský. Und: Laban hat als Erster den Tanz auch zur wissenschaftlichen Disziplin gemacht.

Der Spross einer ungarischen Offiziersfamilie aus Preßburg durchbrach das starre Ballett-Denken seiner Zeit und galt als einer der Pioniere des Ausdruckstanzes, bei dem vor allem die Seele mit dem Körper einhergeht. Aber man könnte ihn wohl auch als den „Ludovit Štúr des Tanzes“ bezeichnen: während Štúr die slowakische Sprache in die Norm brachte, erfand Laban eine „Tanzsprache“, die die Bewegungsfolgen notierbar machte. Die „Labanotation“ wird noch heute ganz besonders in den USA gelehrt und angewandt.

Vor vier Jahren hat das Slowakische Nationaltheater eine „Hommage an Rudolf Laban“ getanzt, ein viel beachtetes biographisches Tanzstück. „Um einen Menschen zu ehren, der trotz vieler Hindernisse und Schicksalsschläge in seinem Leben dazu fähig war, seine Ideen durchzusetzen. Damals wurde ihm auch am Stadttheater eine Ehrentafel angebracht“, berichtet Tanz-Chef Dolinský.

Labans Leben – vom schweizerischen Künstlerparadies Monte Verita zum präfaschistischen Deutschland, wo er sogar Reichstanzmeister für kurze Zeit war, bis ins englische Exil, vom klassischen Ballett-Tänzer über den Ausdruckstanz-Schöpfer bis zum Bewegungs-Forscher, der Abläufe in industriellen Prozessen studierte und notierte – füllt Bände.

Hundertste Saison

Das Slowakische Nationaltheater geht in die 100. Saison. Ballett-Chef Dolinský hat zwei jeweils typische Stücke ins Jubiläumsprogramm genommen: Don Quijote in der „klassischen“ Version von Marius Petipa und Aschenputtel – im April 2020 – in der modernen Fassung von Michael Corder, Choreograph und Mitglied des British Royal Ballett. Also Gegenwart und Vergangenheit. Der Zukunft ist die Vertanzung der Diplomarbeit von Adrian Ducin im kommenden Mai verpflichtet.

Dass Tanz Zukunft hat, beweist wohl auch die Auslastung von Dolinskýs Sparte: zu mehr als 90 Prozent sind die Ränge im historischen wie auch im exzellenten neuen SND gefüllt. „Ob Tanz und Kunst politisch korrekt sein können, weiß ich nicht“, sagt der sympathisch bescheidene Meister. „Vorrangiges Ziel ist es, die Öffentlichkeit auf künstlerisches Wirken aufmerksam zu machen. Aber natürlich sollen auch wichtige gesellschaftliche Fragen gestellt werden, etwa die Sinnlosigkeit des Krieges.“ Da geht es Dolinský „nicht nur um die Schönheit, sondern auch um die Ernsthaftigkeit der Themen“. So wie sie Nižinskijs „Boh tanca“ auf die Bühne brachte.

 

Der Meister und Margarita  

Vladimir Bulgakows Bestseller „Der Meister und Margarita“ wird den Ballett-Herbst 2020 im SND beherrschen. Peter Breiner komponierte die Musik zu dem von Yuri Smekalov (Mariinsky, St. Petersburg) choreographierten Jahrhundertwerk.

Seit fünf Jahren gibt es die Ballett-Vorschule des SND, in der Kinder ab sechs Jahren in ihrem Tanztalent unterstützt werden. Neben der Heranführung an das klassische Ballett haben die Jungen auch schon Gelegenheit, mit den erwachsenen Profis auf der Bühne zu stehen. „Dank der hervorragenden Arbeit der verantwortlichen Pädagoginnen haben zuletzt alle Absolventen die Aufnahmeprüfung in die nächsthöheren Schulen bestanden“, freut sich Jozef Dolinský. Nachwuchs-Sorgen hat man in der Slowakei dennoch. Selbst wenn Kinder bereit wären – nicht immer sind es die Eltern. Dolinský: „Ich schaue ständig und wo immer ich bin, ob ich Bewegungstalente entdecke“.

 

Foto:

Jozef Dolinský, Ballettchef des SND.

Bild: Chris Waikiki