2017-11-10

Bruno Walter Musiktage: drei Konzerte

Zu Ehren des bedeutenden Dirigenten mit starkem Slowakeibezug.

Bruno Walter Musiktage

 

Die Beziehung war nicht von wechselseitiger Liebe geprägt: Nur kurze Zeit war der Dirigent Bruno Walter am Stadttheater tätig, für die Musikstadt Bratislava war es eine umso wichtigere Periode. Mit den Bruno Walter Musiktagen leistet das gleichnamige Orchester unter Jack Martin Händler regelmäßige Beiträge des Erinnerns.

 

Dass aus ihm einer der bedeutendsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts werden würde, insbesondere jener, dem in einem wesentlichen Ausmaß die Etablierung der Werke Gustav Mahlers zu verdanken ist, war noch nicht absehbar, als der junge Bruno Walter (1876–1962) zwischen Lehrjahren in Breslau und Riga auch eine Saison als Korrepetitor und Kapellmeister in Pozsony verbrachte. Der gebürtige Berliner Walter kam schon in Mahlers früher Zeit in Hamburg als dessen Assistent mit diesem in Kontakt und wurde in der Folge sein glühender Jünger. Dass er 1897/98 für das deutschsprachige Repertoire in die Slowakei engagiert wurde, ist ein interessanter Hinweis darauf, dass das Musikleben Pozsonys noch durchaus nicht der umfassenden Magyarisierung unterzogen wurde, wie es in vielen anderen Bereichen der Fall war. Für Bratislava brachte Walter ohne Zweifel eine Schärfung des Profils und des künstlerischen Qualitätsanspruchs, wie es einer Hauptstadtbühne geziemt. In diesem Sinn ist es nur recht und billig, wenn heute in Bratislava wieder an Bruno Walter erinnert wird.

Walters glanzvollste Zeiten sollten freilich erst Jahre und Jahrzehnte später an der Wiener Hofoper sowie mit seinen Konzerten mit den Wiener Philharmonikern und dem Leipziger Gewandhausorchester, sowie – nach seiner Emigration vor dem Nazi-Terror in die USA – als Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker folgen. Wir nachfolgende Generationen schätzen uns glücklich, vieles von Walters Kunst in Aufnahmen überliefert bekommen zu haben. Sein Beethoven, sein Mozart, sein Brahms und immer wieder: sein Mahler sind kostbarste Zeugnisse einer scheinbar längst vergangenen Dirigierkultur, bei der es nicht auf das Glänzen des Pultstars, sondern ausschließlich auf die detailbezogene Liebe zum musikalischen Werk ankam. (Christian Heindl)

 

Die nächsten Termine:

  • Wien / Musikverein Großer-Saal 19.11.2017 / 19:30

Ludwig van Beethoven, Symphonie Nr. 9 d-Moll Op. 125

Bruno Walter Symphony Orchestra, Eva Hornyáková, Sopran, Monika Fabiánová, Alt

Tomáš Juhás, Tenor, Gabor Bretz, Bass, Chor der Slowakischen Philharmonie

Jack Martin Händler, Dirigent

 

  • Bratislava – Reduta 11.12.2017 / 19.30

 

Joseph Haydn, “Die Schöpfung”

Bruno Walter Symphony Orchestra; Spevácky zbor mesta Bratislavy

Jack Martin Händler, Dirigent

 

  • Wien/Musikverein Brahms-Saal 27.01.2018 / 19:30

Johann Sebastian Bach, Konzert für 2 Violinen d-Moll BWV 1043, Wolfgang Amadeus Mozart, Violinkonzert Nr. 5 A-Dur KV 219, Dmitri Schostakowitsch, Kammersinfonie Op. 110a

Bruno Walter Symphony Orchestra, Jack Martin Händler, Dirigent

Viele Informationen und Programme: http://brunowaltermusiktage.eu/de/

 

 Foto:

Bruno Walter Symphony Orchestra unter seinem Gründer und Dirigenten Jack Martin Händler.

Foto: Bruno Walter Musiktage