2019-04-02

Handelskammern präsentieren Konjunkturumfrage

Ausländische Investoren mit skeptischen Konjunkturaussichten / Krise nicht in Sicht

 Die gute konjunkturelle Stimmung unter den ausländischen Investoren  in  der  Slowakei  hat  einen  Dämpfer  erlitten.  Ungeachtet dessen möchte gut ein Drittel der 127 teilnehmenden Firmen expandieren und neue Mitarbeiter einstellen. Die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt bleiben dagegen problematisch.

 

Genau die Hälfte der befragten Unternehmen schätzt die gegenwärtige Wirtschaftslage in der  Slowakei  positiv ein,  dies  sind  13 Prozentpunkte weniger als noch im Vorjahr. Lediglich fünf Prozent stufen die aktuelle Situation als schlecht ein. Mit einer weiteren Verbesserung im Jahresverlauf rechnet allerdings nur jeder zehnte Betrieb. 56 Prozent der Umfrageteilnehmer gehen von einer unveränderten Lage der Gesamtwirtschaft aus, ein Drittel glaubt an eine Verschlechterung.

 

„Unsere Prognosen für die Slowakei gehen von einem soliden Wirtschaftswachstum von 3 Prozent aus. Das ist zwar weniger als erwartet, aber immer noch mehr als in Westeuropa“, meint Christian Kügerl, der österreichische Wirtschaftsdelegierte in der Slowakei.

Die Erwartungen für das eigene Unternehmen fallen insgesamt zuversichtlicher aus. 34 Prozent der Firmen rechnen mit besseren Geschäften, zugleich machen sich aber auch 22 Prozent der Betriebe auf ein schlechteres Geschäftsjahr gefasst. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Investitionen in Personal und Kapital: 31 Prozent der Unternehmen möchten ihre Mitarbeiterzahl ausweiten und 36 Prozent ihre Investitionen hochfahren. Umgekehrt möchten  20  Prozent  ihre  Belegschaft  reduzieren  und  24  Prozent  ihre Investitionsvolumina herunterfahren.

„In der Automobilzuliefererindustrie, zu der wir uns zählen, können wir momentan keine Auswirkungen einer Krise in irgendeiner Art und Weise feststellen“, kommentiert Stefan Hanke,   Geschäftsführer   von   Ehlebracht   Slowakei   in   Michalovce,   die   jüngsten Ergebnisse.  „Wir selbst  haben  viele  neue  Projekte  gewonnen,  die  in  diesem  Jahr anlaufen. Deshalb glauben wir grundsätzlich, dass es 2019 für uns besser läuft als noch im letzten Jahr.“ Für Christian Kügerl „verändert sich aktuell vieles in der Autoindustrie, diese  Industrie  ist  aber  sehr  zukunftsorientiert  und  wird  daher  weiterhin  erfolgreich sein.“

Den Standort Slowakei zeichnen nach Meinung der befragten Investoren vor allem die Mitgliedschaft in der EU, die Verfügbarkeit und Qualität lokaler Zulieferer, die Zahlungsdisziplin sowie die leistungsbereiten und produktiven Arbeitskräfte aus. Auch für Stefan Hanke steht die Zugehörigkeit zur Europäischen Union an erster Stelle: „Für die Slowakei ist es ein ganz großer Vorteil, Teil des Binnenmarkts zu sein.“

Insgesamt bewerten die Teilnehmer die Slowakische Republik als den zweitattraktivsten Investitionsstandort in Mittel- und Osteuropa. Wie schon in den Vorjahren liegt Tschechien auf dem Spitzenplatz. Estland und Polen teilen sich die Ränge drei und vier. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Investition in der Slowakei auch unter heutigen Bedingungen wiederholen würden, ist von 80 auf 73 Prozent gesunken.

Christian Kügerl hält die Slowakei als Standort im Vergleich mit den Nachbarländern als sehr wettbewerbsfähig: „Die meisten Investoren sehen sich mehrere Länder an und die Wahl fällt häufig auf die Slowakei.“

Bei  den  negativ wahrgenommenen  Standortfaktoren  ist  keine spürbare Verbesserung unter   den  Investoren   festzustellen.  Die Fachkräfteverfügbarkeit  wird  sogar  noch kritischer als im Vorjahr eingeschätzt. Zudem lässt bei vielen Unternehmen die Zufriedenheit   mit   den   Arbeitskosten   deutlich   nach.   Laut   Umfrage   steigen   die betrieblichen Arbeitskosten 2019 im Durchschnitt um 7,5 Prozent. „Das sind Lohnsprünge, die schwierig aufzufangen sind“, meint Ehlebracht-Geschäftsführer Hanke. Für ihn sei auch die drastische Erhöhung des Mindestlohns zum Problem geworden, die zugleich auf alle anderen Lohnklassen in seinem Betrieb drücke: „Wir müssten eigentlich die Preise erhöhen, aber das ist bei den Kunden nicht durchzukriegen“, schildert er seine Lage.

Ein Jahr nach der Regierungsumbildung sind die befragten Investoren mit den Fortschritten bei der Korruptionsbekämpfung weiterhin unzufrieden. Trotz geringfügig verbesserter  Bewertung  steht  diese  mit  klarem  Abstand  auf  dem  letzten  Platz  aller benoteten Standortfaktoren. Auch für Stefan Hanke besteht noch Handlungsbedarf: „Da müsste auf jeden Fall viel stringenter hinterher gegangen werden.“

 

 

 

 

Technische Parameter zur Umfrage

 

 

Befragungszeitraum: Februar/März 2019

 

Teilnehmerkreis:   Unternehmen,   die   in   der   Slowakei   tätig   sind,   davon   85%

mit Eigentümern aus anderen europäischen Ländern

Anzahl Teilnehmer: 127 Unternehmen

 Beteiligung nach Sektoren:

Industrie (49,6%), Handel (15,0%), Dienstleistungen (35,4%)   

 Organisatoren:

   ADVANTAGE AUSTRIA in Bratislava

   Deutsch-Slowakische Industrie- und Handelskammer

   Niederländische Handelskammer in der Slowakischen Republik

   Schwedische Handelskammer in der Slowakischen Republik

    Slowakisch-Österreichische Handelskammer

 

Foto: Wirtschaftsexperten (v.l.): Kompalla,Halt,Kügerl bei der Presselkonferenz.

Foto: PZ/cm