2018-11-18

Qualifizieren für gute IT-Jobs

Non-Profit-Agentur "IT v kurze"

Akademischer Grad reicht oft nicht aus, dann kann "IT im Kurs" helfen

In den letzten Jahren mussten sich schon viele (nicht nur) deutschsprachige Unternehmen, die in der Slowakei tätig sind, der Herausforderung eines unzureichenden Nachschubs hoch qualifizierter Fachkräfte stellen. Die Pressburger Zeitung hat sich zu diesem Thema mit Tomáš Božik, dem Direktor der nicht profitorientierten Organisation (NPO) "IT v kurze" (IT im Kurs), die jungen Leuten das nötige Fachwissen sowie Kompetenzen vermittelt und auch gleichzeitig hilft, eine attraktive Beschäftigung zu finden, an einen Tisch gesetzt und Möglichkeiten für Hochschulabsolventen, die keinen entsprechenden Job finden können, erörtert, beziehungsweise eine Antwort auf die Frage gesucht, welche Fremdsprachen derzeit und auch künftig in der Slowakei hoch im Kurs stehen.

 

Sie arbeiten hauptsächlich mit jungen Leuten. Warum ist das so?

„Die slowakischen Hochschulen und Universitäten pumpen jedes Jahr eine Vielzahl an Studenten auf den Arbeitsmarkt, die zwar ein Diplom in der Hand haben, viele von ihnen sind aber nicht in der Lage, sich dort durchzusetzen. Im besseren Fall gelingt es ihnen, eine Arbeit zu finden, früher oder später finden sie aber heraus, dass es eben nicht das ist, womit sie sich langfristig beschäftigen wollen. Dies ist die Vorgeschichte der meisten von den Absolventen unserer diversen Bildungsprogramme. Es suchen uns aber auch Leute auf, die ihre aktuelle Arbeitsausrichtung komplett ändern wollen.“

 

Wie sind Sie zu der Erwachsenenbildung gekommen?

„Interessanterweise habe ich mich auch für eine für mich ungeeignete Studienrichtung entschieden. Später, während meiner Tätigkeit in mehreren Schulungszentren, bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass zwar IT-Leute umgeschult werden, auf der anderen Seite gibt es keinen Nachschub an neuen - wohlgemerkt sehr gefragten - Spezialisten. Deshalb konzentrieren wir uns auch auf Anfänger, denen wir zum Beispiel die Grundlagen des Programmierens oder das Testen von Softwareanwendungen beibringen: Neben der Vermittlung von Fachwissen und Soft Skills bereiten wir unsere Studenten auf ein Bewerbungsgespräch vor, bieten ihnen ein Praktikum bei unseren Unternehmenspartnern an und helfen ihnen, einen für sie passenden Job zu finden. Die Geschichte endet für uns erst, wenn unser Student eine Arbeit gefunden hat. Wir sind stolz, dass wir nach sieben Jahren seit der Gründung unserer NPO bereits hunderte angestellte Absolventen vorweisen können.“

 

Programmieren klingt für viele nach Science-Fiction. Kann es tatsächlich jeder erlernen?

„Unsere Trainingsprogramme sind so konzipiert, dass sie auch von totalen Anfängern bewältigt werden, sie sind aber ziemlich intensiv. Alle sind berufsorientiert, sodass jeder Absolvent in der Lage ist, den entsprechenden IT-Job auszuführen. Zum Beispiel müssen Anwendungstester nicht unbedingt wissen, wie man programmiert, sie müssen aber wissen, wie Anwendungen funktionieren und wie sie getestet werden. Sie kommunizieren mit Programmierern und auf Grund dieser Beziehung erstellen sie verschiedene Szenarien, was man mit einer bestimmten Anwendung wird ausführen können. Es ist eine gute Einstiegsmöglichkeit in den IT-Bereich auch für Leute, die zu dieser Branche bisher keinen Bezug hatten und sich das Programmieren vorerst nicht zutrauen.“

 

Wie sieht der Unterricht aus?

„Wir sind von der physischen Präsenzmethode in die Online-Welt übergegangen, was insbesondere für viel beschäftigte Menschen und Studenten, die nicht aus Bratislava stammen, von großem Nutzen ist. Unsere Schulungsprogramme werden über das Schulungsportal Metis Academy in Form eines Tagesstudiums umgesetzt, bei dem der Student mit dem Lektor und anderen Studenten im virtuellen Klassenzimmer interagiert, unabhängig davon, ob sich der Student physisch in unserem Klassenzimmer oder anderswo befindet und online ist.“

 

Wie werden die einzelnen Trainingsprogramme zusammengestellt?

„Entsprechend den Anforderungen der IT-Unternehmen. Auch jene Programme, die wir im Dezember letzten Jahres abgeschlossen haben, mussten dieses Jahr angepasst werden. Wir versuchen ständig, uns zu verbessern und uns an die sich ändernden Bedürfnisse des Marktes anzupassen. Wir kommunizieren aktiv mit IT-Unternehmen, die unsere Absolventen rekrutieren, und ermitteln auch auf diese Weise deren Anforderungen an zukünftige Mitarbeiter. Die Nachfrage nach Software-Ingenieuren steigt, deshalb haben wir das zweijährige technische Fachstudium Metis Academy Diploma vorbereitet. Unsere neuen Umschulungsprogramme mit ihrem erweiterten Inhalt und ihrer erhöhten Intensität entsprechen den neuesten Anforderungen der Arbeitgeber und die Arbeitslosen können immer noch beim Arbeitsamt eine Rückerstattung der Studienkosten beantragen.“

 

Und wie sieht es mit Fremdsprachen aus?

„Englisch lernt oder beherrscht fast jeder, insbesondere im IT-Bereich wird es als Standard angesehen. Deutsch ist aber derzeit definitiv auf dem Vormarsch und wird es wohl auch künftig bleiben. In der Slowakei gibt es eine Reihe deutscher und österreichischer Unternehmen, die leider keine zufriedenstellende Zahl hoch qualifizierter Personen finden, die sich auch in der deutschen Sprache zurechtfinden. Auch für IT-Unternehmen sind Buchhalter, Wirtschaftsprüfer, Ökonomen oder Mathematiker interessant, die in deutscher Sprache beschlagen sind. Viele haben diese Fremdsprache gelernt, sie beherrschen sie aber nicht aktiv. Sowohl für diese Menschen, als auch für Anfänger legen wir mit speziellen Deutschkursen los. Und für diejenigen, die in der IT-Branche arbeiten möchten und ihr Fachwissen in anderen Bereichen um das allgemeine IT-Wissen ergänzen möchten, um sich in ihrer Arbeit wohler zu fühlen, haben wir das Schulungsprogramm Office Specialist vorbereitet.“

 

Welche Chancen trauen Sie den Absolventen Ihrer Bildungsgänge auf dem Arbeitsmarkt zu?

„90% unserer Absolventen werden während oder kurz nach Abschluss des Ausbildungsprogramms einen gut bezahlten Job an der Arbeitsstelle finden, für die sie sich vorbereitet haben. Die restlichen 10% sind die, über die wir keine Informationen haben, wo und wie sie angestellt wurden. Das bedeutet, dass jeder, der zu uns kommt, sehr wahrscheinlich Erfolg haben wird.“

 

Mit welcher Motivation kommen Leute, die in die IT-Welt umsteigen wollen?

„Die meisten Menschen, die zu uns kommen, fühlten sich schon immer irgendwie von der IT-Welt angezogen zu sein und sie haben zumindest einige Erfahrung. Es kommen aber auch solche, die einen Jobwechsel planen und mit IT überhaupt keine Erfahrung haben. Finanzielle Anreize sind sicherlich eine große Motivation, denn die Gehälter im IT-Sektor gehören zu den höchsten.“

 

Wie viel kosten die erwähnten Programme? Kann sich sie wirklich jeder leisten?

„Der Preis für Bildungsprogramme variiert je nach Aufwand, Intensität und Job der Studenten und Studentinnen, für den wir sie vorbereiten. Er beginnt bei etwa 2 000 Euro, kann aber bei intensiverer Umschulung auch verdoppelt werden. Es ist verständlich, dass die Summe nicht im Voraus bezahlt werden kann, sodass die Studenten und Studentinnen unsere Talentplattform Young Talent Support nutzen können: Den Studierenden überlassen wir also die Entscheidung, ob sie zu Beginn nur die Einschreibegebühr zu bezahlen, denn die Studiengebühr können sie während des Studiums oder erst nach ihrer Anstellung beim künftigen Arbeitgeber von ihrem Lohn begleichen. Arbeitslose können die Rückerstattung der gesamten Umschulungskosten bei den Arbeitsämtern beantragen.“

 

Was würden Sie als Ihre wertvollste Erfahrung bezeichnen, die Sie im Laufe der Jahre im Bereich der Fortbildung gemacht haben?

„Ein akademischer Grad öffnet in vielen Fällen die Tür, aber in der Praxis und für den Erfolg in der Arbeit sind das Wissen sowie die angeeigneten Fertigkeiten viel wichtiger. Ideal ist es, einen Abschluss in einem Bereich zu haben, der einem wirklich Spaß macht und in dem man das ganze Leben lang zu arbeiten vermag. Falls dies jedoch nicht gelingt oder falls jemand nicht die Gelegenheit dazu hat beziehungsweise ihm die Lebensumstände nicht erlauben, mehrere Jahre zu studieren, ist es ratsam, die zweite Chance zu nutzen und eine Abkürzung in Richtung einer aufgabenmäßig und finanziell höchst interessanten Arbeit zu nehmen. Nach dem Erwerb von Grundkenntnissen und Arbeitserfahrung ist jedoch eine ständige Weiterbildung erforderlich. Um in unserer Region, insbesondere in Führungspositionen, Erfolg zu haben, ist neben der mittlerweile als Standard angesehenen englischen Sprache die Beherrschung von Deutsch von großem Vorteil.“

Bild: In kleinen Gruppen werden Problemlösungen oft einfach gefunden.

Foto: "IT v kurze"