2018-01-12

"Ost-West-Gefälle" bei Markenprodukten

Es scheint Zwei-Klassen-Konsumenten zu geben.

 

 

 

 

Es gibt Produkte, bei denen Kunden darauf vertrauen, dass sie überall auf Welt gleich schmecken. Coca-Cola, Nutella, Danone-Joghurts zum Beispiel. Von globalen Lebensmittelkonzernen erwarten die Verbraucher auch globale Produkte. Doch ist das wirklich so? Und weshalb schmeckt Nutella in Deutschland dann offenbar schokoladiger als in Polen oder Ungarn?

 

In Osteuropa bekommen Verbraucher seit Jahren Billigversionen von Markenprodukten vorgesetzt. Die EU-Kommission in Brüssel weist immer wieder auf die Ungleichheit der Lebensmittelqualität hin. Vom „Double Standard“ ist die Rede – ein Zwei-Klassen-System, bei dem die Konzerne die hochwertigeren Produkte in den westlichen EU-Ländern vertreiben, die Ostländer bekommen die minderwertigere Ware.

 

Lenor: Weniger Inhalt für mehr Geld

 

Bei Fischstäbchen der Marke Iglo war der Fischanteil in der Slowakei mit 58 Prozent sieben Prozent niedriger als im Nachbarland Österreich. Für eine Flasche des Vollwaschmittels Lenor bezahlten Slowaken 30 Cent mehr als die Österreicher, bekamen aber gleichzeitig 60 Milliliter weniger Inhalt. Und in Ungarn ist der Kakao-Anteil in der Nutella mit 7,4 Prozent 1,1 Prozent niedriger als in Deutschland, wie das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ berichtet.

 

Schokocreme, Waschmittel und Fischstäbchen wurden schon vor einem halben Jahr zum Politikum. Viele osteuropäische Regierungschefs sind empört über die Praktiken: Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico hielt im Juli eine Wutrede in Bratislava, Ungarns Victor Orbán bezeichnete das Ost-West-Gefälle als „einen der größten Skandale der jüngeren Vergangenheit“. Eine polnische Zeitung schrieb von „Lebensmittel-Rassismus“.

 

Ende September 2017 hat die EU-Kommission ein Paket an Richtlinien herausgebracht, was den „Double Standard“ betrifft. Sinn und Zweck ist es zum einen, innerstaatlichen Organen die Entscheidung zu erleichtern, ob ein Unternehmen, welches Produkte in zweierlei Qualität verkauft, gegen EU-Recht verstößt. Zum anderen sollen die Richtlinien der Vermarktung für Verbraucher transparenter machen.

 

In Brüssel wird unter Anleitung der EU-Justizkommissarin Věra Jourová nun ein Rechercheteam eingesetzt, das einheitliche Regeln entwickeln soll. Wie verbrauchernah und unabhängig dieses arbeitet, ist jedoch fraglich. Wie der „Spiegel“ weiter berichtet, stehen Unternehmen und Lobbyverbände der Industrie in den vergangenen Wochen bei Jourová Schlange.

 

Die Unternehmen arbeiten dabei mit geschickten Praktiken: Sie legen Studien vor, laut denen unterschiedliche Rezepturen durch angebliche regionale Vorlieben der Verbraucher belegt werden. Diese Begründung ist notwendig, um sich nicht wegen unfairer Handelspraktiken verantworten zu müssen.

 

Dabei geht es nicht zuletzt darum, Stereotype und Klischees irgendwie wissenschaftlich zu belegen. Aussagen wie die, das im Osten fettiger Fisch „eben nachgefragter“ ist, müssten erstmal nachgewiesen werden.

 

Bei anderen Produkten ist die Lage hingegen klar: weniger Fruchtanteil, mehr künstliche Aromen, zusätzliches Verdickungsmittel. Es sind klare Mogelpackungen. Vertrieben werden sie von Danone und heißen: „Activia“.

Quelle: Business Insider Deutschland

Foto: wikimedia