2017-12-04

Gute Konjunktur in der Slowakei stößt durch Fachkräftemangel an Grenzen

Die konjunkturelle Stimmung in der Slowakei bleibt auf hohem Niveau. Dies ergab der aktuelle AHK World Business Outlook, die Herbstumfrage der deutschen Auslandshandelskammern (AHK) unter weltweit 3.000 Mitgliedsunternehmen, davon 41 aus der Slowakei. Jede zweite der hierzulande befragten Firmen möchte weiter investieren. Davon profitiert auch der slowakische Staat, der sich über steigende Steuereinnahmen von deutschen Unternehmen freuen kann. Immer problematischer wird dagegen der Fachkräftemangel und auch die steigenden Arbeitskosten bereiten vielen Betrieben Sorgen.

Demnach rechnen 56 Prozent der Unternehmen, die die Deutsch-Slowakische Industrie- und Handelskammer (AHK Slowakei) im September und Oktober 2017 befragt hat, mit besseren Geschäften in den kommenden zwölf Monaten. Beinahe ebenso viele Firmen (51%) sind überzeugt, dass es mit der mittelfristigen konjunkturellen Entwicklung in der Slowakei aufwärts gehen wird. „Der Konjunkturmotor läuft auf Hochtouren, was sich auch ins nächste Jahr ziehen wird“, erklärt Jürgen Knie, Präsident der
AHK Slowakei. Die guten Erwartungen spiegeln sich auch in den Investitions- und Beschäftigungsplänen der Betriebe wider: 46 Prozent beabsichtigen in den nächsten zwölf Monaten ihre Investitionen hochzufahren, gar 51 Prozent wollen im gleichen Zeitraum neue Mitarbeiter einstellen.
Der Anteil von Unternehmen, die ihre Belegschaft ausweiten wollen, liegt damit in der Slowakei signifikant höher als in den übrigen Ländern der Eurozone (durchschnittlich 30%) bzw. der Welt (32%). Die größte Gefahr für die eigene Geschäftsentwicklung sieht die überwältigende Mehrheit der slowakischen Umfrageteilnehmer im Fachkräftemangel (83%). „Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ist mittlerweile ein landesweites Problem, von dem kaum ein Unternehmen in der Slowakei verschont bleibt“, meint Jürgen Knie. Anders sieht es in den übrigen Ländern der Eurozone aus: in diesen wird der Fachkräftemangel von lediglich 41 Prozent der AHK-Mitgliedsfirmen als großes Risiko erachtet. Alarm schlagen die in der Slowakei befragten Unternehmen auch wegen der Arbeitskosten: für 61 Prozent bedrohen die steigenden Personalausgaben die Geschäftsentwicklung der kommenden zwölf Monate. Überdurchschnittlich häufig wurden als Risikofaktoren zudem die Entwicklung der Nachfrage und die Gestaltung wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (34 bzw. 29%) genannt.
Die gute Konjunktur bei deutschen Firmen in der Slowakei schlägt sich auch auf die Einnahmen des slowakischen Staates voll durch. In der unlängst vom Wirtschaftsmagazin Trend und der Steuerberatungsgesellschaft BMB Leitner vorgestellten Rangliste der 50 größten Steuerzahler im Land befanden sich gleich 13 Unternehmen mit deutscher Beteiligung. Mit dem Autobauer Volkswagen Slovakia (1. Platz), dem Maschinenbauer Schaeffler Slovensko (5. Platz) und dem Telekommunikationsanbieter Slovak Telekom (7. Platz) schafften es sogar drei Unternehmen aus Deutschland in die TOP10 der slowakischen Steuerzahler. Als große Arbeitgeber tragen sie auch beträchtlich zur Finanzierung der gesetzlichen Sozialversicherung bei. „Mit diesen Zahlen haben wir es schwarz auf weiß“, kommentiert der Präsident der AHK Slowakei das Ranking. „Das Vorurteil, deutsche Unternehmen seien weitgehend steuerbefreit, wird durch diese objektiven Zahlen eindeutig widerlegt“, so Knie.

Quelle: DSIHK, Foto: pixabay