2019-04-05

EU ist keine Selbstverständlichkeit

Mittelschüler-Wettbewerb schärft Bewusstsein für Europa

„Ist es 'in', Europäer zu sein?“ – ein Wettbewerb für Mittelschüler

Bei den letzten Europawahlen verzeichnete die Slowakei eine etwa 13-prozentige Wahlbeteiligung. Vor allem junge Menschen im Alter von 18 bis 24 Jahren boykottierten die Wahlen mit einer 6-prozentigen Beteiligung wortwörtlich. Laut dem Direktor der Kanzlei des Europaparlaments in der Slowakei, Robert Hajšel, sei dies die niedrigste Zahl unter allen EU-Ländern. Er meint, dass einer der Gründe die Zufriedenheit mit der EU-Mitgliedschaft sein könnte. Junge Menschen sind froh, dass sie frei reisen, oder im Ausland studieren können – aber nehmen dies eher als eine Selbstverständlichkeit wahr. Vielleicht meinen sie auch, dass das Europaparlament weit von ihrer Heimat entfernt liegt und es daher keine große Bedeutung habe, sich für dessen Tätigkeit zu engagieren.

Um das Interesse an den Europawahlen zu erhöhen, startete das Europaparlament die Initiative „Diesmal wähle ich“. Bisher nahmen daran etwa 100.000 Freiwillige aus der ganzen EU teil. In der Slowakei registrierten sich schon 6.000 Menschen. Ihr Scherflein trägt auch die Hanns-Seidel-Stiftung bei und organisiert in Zusammenarbeit mit dem Transatlantikzentrum einen Wettbewerb für Mittelschüler, der sie motivieren soll, die jetzigen und künftigen Herausforderungen der Europäischen Union zu erforschen. Die Schüler sollten einen Essay zu einem der zwei angebotenen Themen schreiben, die mit der EU zusammenhängen – und zwar auf Deutsch oder auf Slowakisch.

Laut dem Regionalleiter der Stiftung, Martin Kastler, ist es schon der zweite Wettbewerb der Stiftung zum Thema Europäische Union, der für die slowakischen Schüler ausgeschrieben wurde. Die Themen für dieses Jahr hießen: „Warum ist es in, Europäer zu sein“ und „Unsichtbarer Krieg in Europa“.

Zu diesen Fragen äußerten sich schriftlich diesmal über vierzig Mittelschüler aus der ganzen Slowakei. Die aus Vertretern der Hanns Seidel Stiftung und des Transatlantikzentrums zusammengesetzte Jury bewertete die Originalität des Essays, die Argumentation und Qualität der Arbeit und wählte dann die drei besten Beiträge in der deutschen und drei in der slowakischen Sprache aus. Die Gewinnerin in der slowakischen Kategorie, Anna Čujová aus dem ostslowakischen Prešov, verglich die slowakische EU-Mitgliedschaft humorvoll mit einem Jugendlichen in der Pubertät. In der Kategorie der auf Deutsch geschriebenen Essays landete auf dem ersten Platz Emma Brnáková vom Gymnasium im westslowakischen Dubnica nad Váhom. Sie benutzte bei der Beschreibung der Europäischen Union ein Bild eines Fahrrads, das man treten muss, damit man nicht umfällt. Bei der feierlichen Preisverleihung haben beide Gewinnerinnen ihre Schriftwerke vorgelesen und erhielten einen begeisterten Applaus des Publikums. Beide äußerten darin ihre Meinung, dass es für einen jungen Menschen sehr in und vor allem günstig ist, Europäer zu sein.