2019-03-01

Pavol Dubček kandidiert für EU-Wahl

"Traum des Vaters verwirklichen"

Dubcek-Sohn: "Mein Vater wollte slowakische Gesellschaft reformieren"

Sohn des "Prager Frühling"-Politikers tritt bei Europa-Wahl für Nationalisten an - Journalist Macak: Visegrad-Staaten "Gruppe von Egoisten" - Putin wolle EU spalten

 

 

"Mein Vater hatte das Ziel, die Gesellschaft zu reformieren", erklärte der Sohn des 1992 bei einem Autounfall verstorbenen, kommunistischen, slowakischen Reformpolitikers Alexander Dubcek bei einer Veranstaltung in Wien.

 

Der Arzt Pavol Dubcek (70) wartete bei einem Zeitzeugen-Gespräch des Österreichischen Journalisten Clubs (ÖJC) mit einer Überraschung auf. Bei den kommenden Europa-Wahlen will er für die mitregierende, nationalistische Slowakischen Nationalpartei (SNS) antreten.

 

"Ich möchte einen Traum meines Vaters verwirklichen", begründete Pavol Dubcek bei der Diskussion, zu der aus Anlass des Jahrestages der Ermordung des jungen slowakischen Investigativjournalisten Jan Kuciak (21. Februar 2018) der Österreichische Journalisten Club (ÖJC), Reporter ohne Grenzen-Österreich (ROG) und die Vereinigung Europäischer Journalisten (AEJ) geladen hatten, seinen späten Einstieg in die Politik. Alexander Dubcek habe den Traum gehabt, "eine gerechte Gesellschaft zu schaffen". Sein Vater hatte damals "die volle Unterstützung der Gesellschaft", meinte Dubcek.

 

Zur heutigen Stimmung in der Slowakei sagte Pavol Dubcek: "Ich merke, das Volk ist nicht zufrieden." Er fügte hinzu, in der Slowakei werde anerkannt, dass sein Vater "etwas für das Volk getan hat". "Sein Projekt war, gemeinsam am europäischen Haus zu bauen." Die Europäische Union befinde sich einer bestimmten Entwicklung, Diskussion sei auch ein Teil des Zusammenhalts, meinte er zu den diversen Konflikten und Unstimmigkeiten in der EU. Eine Tätigkeit als Europa-Parlamentarier solle "im Einklang zwischen nationalen und europäischen Interessen" stehen.

 

In der Diskussionsrunde, an der der slowakische Radiojournalist und AEJ-Generalsekretär Tibor Macak, ROG-Österreich-Präsidentin Rubina Möhring und ÖJC-Präsident Fred Turnheim teilnahmen, wurde Dubcek auch zum "Unfalltod" seines Vaters 1992 befragt. An einen Unfall glaubt der Arzt nicht. Unliebsame Politiker seien damals von den Machthabern beseitigt worden. "Mein Vater war sehr hartnäckig, er stand einigen im Weg." Familienbesuche im Spital wurden behindert, bestimmte medizinische Eingriffe seien verweigert worden, eine Untersuchung des Unfallautos wurde abgelehnt.

 

Korruption habe in der (Tschecho-)Slowakei immer existiert, so Dubcek rückblickend. Sein Vater habe bedauert, dass die Tschechoslowakei nicht schaffte, was in anderen Ostblock-Staaten gelang. Er wünschte sich eine Entwicklung in kleinen Schritten. Orthodoxe Kommunisten machten mit der UdSSR gemeinsame Sache, Sowjet-Truppen marschierten ein. 1968 (Niederschlagung des Prager Frühlings, Anm.) "wurde weithin als Tragödie empfunden", eine Emigrationswelle setzte ein. Er selbst wollte als Student damals die CSSR verlassen, doch seine Mutter hielt ihn davon ab: Er werde später als Arzt gebraucht. Freilich, der Dubcek-Sohn durfte dann unter dem KP-Regime den Arztberuf nicht in Bratislava ausüben, erst nach der Wende 1989 war dies möglich.

 

Tibor Macak bezeichnete die spätere Teilung der Tschechoslowakei in die Tschechische und die Slowakische Republik als "ein Beispiel, dass Trennung ohne Krieg und Gewalt möglich war". Jetzt unterhielten die beiden Staaten beste Beziehungen. Die Visegrad-Staaten (Polen, Tschechien, Ungarn, Slowakei) sind nach seiner Ansicht "eine Gruppe von Egoisten", die auf "eine gemeinsame KP-Vergangenheit" zurückblicken und "sich als Gruppe in Brüssel durchsetzen wollen". Macak erinnerte daran, dass sich in diesem Jahr der Fall des Eisernen Vorhangs zum 30 Male jährt.

 

Skeptisch äußerte sich Macak über die europäischen Interessen des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er erwartet, "dass die Russen versuchen werden, massiv auf die Europa-Wahlen Einfluss zu nehmen". Der Kreml-Chef habe auch in der Slowakei "eine eigene Gefolgschaft", fügte er hinzu. "Putin will einen Keil in die EU treiben." Dazu bediene er sich alter Seilschaften. Die USA unter Präsident Donald Trump wiederum hätten in Sachen Einflussnahme bei der Europa-Wahl die rechtspopulistischen Parteien im Fokus.

Quelle: APA

Bild: Alexander Dubček auf der Gedenktafel am Nationalmuseum Prag.

Foto: Hesekiel