2018-11-16

"Spiegel online": Parlamentspräsident könnte Kopierer sein

Flüchtlingsfeind und Homosexuellenhasser Danko unter Kopierverdacht

Wer gegen Minderheiten wie Flüchtlinge oder Schwule hetzt, darf sich nicht wundern, wenn er unter kritischer Beobachtung steht. Hier aus "Spiegel Online"

 

Andrej Danko ist formell der zweithöchste Amtsträger in der Slowakischen Republik. Nun wurden schwere Vorwürfe gegen ihn laut: Er soll seine Doktorarbeit aus dem Jahr 2000 zu großen Teilen abgeschrieben haben, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, die sich auf slowakische Medienberichte bezieht.

Danko setzte seine Doktorarbeit demnach aus fünf Publikationen anderer Autoren zusammen. Die Tageszeitung "Dennik N" veröffentlichte am Donnerstag Auszüge von Dankos Arbeit und stellte sie den teilweise wörtlich übereinstimmenden Textstellen der anderen Publikationen gegenüber. Vertreter der Oppositionsparteien forderten Danko daraufhin zum Rücktritt auf.

Danko, der zugleich auch Parteichef der mitregierenden rechtspopulistischen Nationalpartei SNS ist, steht schon seit Wochen wegen Ungereimtheiten rund um seinen Doktortitel in der Kritik.

Doktorarbeit unter Geheimhaltung

So hatte er sein Jurastudium nach eigenen Angaben zwar in Bratislava absolviert, die Doktorarbeit aber an der regionalen Universität in Banska Bystrica eingereicht. Als Journalisten sich dort im September seine Doktorarbeit ansehen wollten, verpflichtete er die Universität zur Geheimhaltung der Arbeit.

Neben Medien und Politikern protestierten auch zahlreiche Wissenschaftler gegen diesen ungewöhnlichen Schritt, der aus ihrer Sicht den Ruf der slowakischen Universitäten in Gefahr bringt.

Die Universität richtete mittlerweile eine Kommission ein, die sowohl den Plagiatsverdacht als auch die Rechtmäßigkeit des inzwischen von Danko selbst aufgehobenen Einsichtsverbots in die Doktorarbeit untersuchen soll. Deren Bericht wird frühestens im Januar erwartet. Bis dahin wolle sich Danko nicht zu der Affäre äußern, teilte sein Sprecher mit.

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"Homophober des Jahres"

Im Juli 2018 wurde Danko vom slowakischen Human Rights Institute zum „Homophoben des Jahres“ nominiert. Ausschlaggebend dazu war ein Zitat Dankos über nichtheterosexuell orientierte Menschen:

„Wenn jemand sich auf Grundlage seiner sexuellen Orientierung seines Rechtes auf Reproduktion entledigt, entledigte er sich dessen, was ihm die Natur und Gott gaben, denn wenn sich jemand für eine homosexuelle Beziehung entscheidet, dann kann er kein Recht haben Kinder zu erziehen.

 

Bild: Kein Herzeigepolitiker: Andrej Danko

Foto: Maxmartin97