2018-08-12

„Slowakei wird keine Politik gegen die EU machen!“

Peter Mišík, Botschafter der Slowakischen Republik in Österreich, im Gespräch mit der Pressburger Zeitung.

 Ein Jahr ist es her, dass Peter Mišík als Botschafter der Slowakischen Republik in Österreich in die Wiener Armbrustergasse eingezogen ist.

 

Pressburger Zeitung: Exzellenz, wie fällt Ihre erste Jahresbilanz aus?

Peter Mišík: Ich bin glücklich, weil Träume in Erfüllung gegangen sind: als erstes Land besuchte Außenministerin Kneissl die Slowakei, danach kam Staatspräsident Kiska nach Wien, und Nationalratspräsident Sobotka besuchte Bratislava. Ein Zeichen, wie sehr die damals neue österreichische Regierung an der Intensivierung der Beziehungen interessiert ist.

PZ.: Sie waren ja auch auf regionaler Ebene stark unterwegs.

P.M.: Ja, es gab viele Kontakte mit Landeshauptleuten und Bürgermeistern – so bin ich besonders froh, dass Marchegg nun Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung 2022 sein wird, da wird auch die Region Záhorie stark davon profitieren…

PZ.: …und wie ich weiß Sie haben auch persönlich die Kandidatur von Marchegg unterstützt.

Was steht jetzt an Arbeit bevor?

P.M.: In Kürze wird Österreich die EU-Präsidentschaft, die Slowakei den Vorsitz in der Visegrád-Gruppe, übernehmen. In all den wichtigen Fragen – Migration, Sicherheit – wollen wir Österreich unterstützen. Aber auch im Bereich der Infrastruktur. Die gegenseitigen hochrangigen Besuche zu Jahresanfang haben viele Fenster der Möglichkeiten geöffnet.

PZ.: Unter den Vier der Visegrád-Gruppe zählt ja die Slowakei zu den am wenigsten nationalistischen und am wenigsten EU-gegnerischen Mitgliedern, wenn man sich dagegen Polen und Ungarn ansieht.

P.M.: Unser Motto im Vorsitz wird auch lauten: Lösungen für ein stärkeres Europa. Als Slowakei wollen wir uns für Europa einsetzen. Visegrád ist auch für uns sehr wichtig, aber es bedeutet nicht, dass wir immer derselben Meinung sein müssen. Die Slowakei wird jedenfalls keine Politik machen, die der EU entgegensteht.

PZ.: Der Mord an Ján Kuciak, die Ermordung eines philippinischen Gastarbeiters in Bratislava, fast wöchentliche Demonstrationen, nun auch die der Bauern – das sind alles Faktoren, die für eine Destabilisierung in der Slowakei sprechen.

P.M.: Die Atmosphäre ist in der Tat turbulenter geworden. Die Regierung verdient und braucht das Vertrauen der Bevölkerung, um auch bei der Aufklärung und Bekämpfung krimineller Strukturen weiterzukommen. Nur mit dem Vertrauen in demokratische Instrumente stärken wir auch die Demokratie.

Das Gespräch führte Christoph Mandl.

 

Foto:

Botschafter Peter Mišík: Gute Bilanz über sein erstes Jahr als Botschafter in Wien.

Foto: PZ/cm