2018-03-31

Auch Hainburg a.D. erinnert nun an Todesmarsch

Gedenken an Zwangsarbeiter von Engerau

Am 29. März 2018 fand die 18. Gedenkfeier zur Erinnerung an die ermordeten ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter des Lagers Engerau – heute Petržalka - statt.

Die anschließende Gedenkfahrt geht traditionell über Berg Wolfsthal, Hainburg/Donau, Bad Deutsch Altenburg nach Bruck/Leitha. Hainburg/Donau war erstmals mit einer eigenen Gedenkstätte beteiligt.

"Wir Jüngeren sind nicht dafür verantwortlich, was geschehen ist, aber wohl dafür, was geschehen wird!" erklärte Hainburgs Bürgermeister Helmut Schmid in einer eindrucksvollen Ansprache. Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka hob die Wichtigkeit der Gedenkkultur und die dazu vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes geleistete Arbeit hervor.

Die Botschafter Österreichs in der Slowakei und der Slowakei in Österreich, Bürgermeister der Umgebung, Klerus und Vertreter der Israelitischen Glaubensgemeinschaft und zahlreiche interessierte TeilnehmerInnen nahmen an der Gedenkveranstaltung teil.

Historisch aufgearbeitet wurde und wird das Thema von Claudia Kuretsidis-Haider vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes.

Ende November 1944 wurde von den nationalsozialistischen Machthabern ein Lager für jüdische Zwangsarbeiter in Engerau eingerichtet, das bis Ende März 1945 bestand. Von den rund 2000 Häftlingen, die Schanzarbeiten am so genannten Südostwall durchführen mussten, starben mehrere Hundert an Erschöpfung, Hunger, Kälte oder wurden von den österreichischen SA-Wachmännern bzw. politischen Leitern zu Tode misshandelt, erschlagen und erschossen. Am 29. März wurde das Lager Engerau evakuiert und die überlebenden Insassen auf einem „Todesmarsch“ von Engerau über Wolfsthal und Hainburg nach Bad Deutsch-Altenburg / Niederösterreich getrieben. Dabei kamen mehr als 100 ungarische Juden ums Leben. In Bad Deutsch-Altenburg wurden die Häftlinge auf Schiffe verladen und donauaufwärts in das KZ Mauthausen / Oberösterreich verbracht.

Am 4. April 1945, nach der Einnahme des Ortes durch die Rote Armee, wurde der Ort wieder ein Teil der Tschechoslowakei. Eine slowakische Untersuchungskommission exhumierte auf dem Friedhof von Engerau die sterblichen Überreste von mehr als 400 Häftlingen, die in fünf Massengräbern verscharrt worden waren, und errichtete ein Mahnmal im Gedenken an die ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter. Zahlreiche österreichische SA-Männer und politische Leiter wurden zwischen 1945 und 1954 in insgesamt sechs „Engerau-Prozessen“ von einem österreichischen Volksgericht abgeurteilt, neun von ihnen erhielten eine Todesstrafe und wurden hingerichtet. Alljährlich veranstaltet der „Verein zur Erforschung nationalsozialistischer Gewaltverbrechen und ihrer Aufarbeitung“ aus Wien um den Jahrestag des „Todesmarsches“ von Engerau nach Bad Deutsch-Altenburg eine Gedenkfahrt.

https://www.doew.at/

 

Foto: (v.l.) Präsident Sobotka, Forscherin Kuretsidis-Haider, Bürgermeister Schmid bei der Enthüllung der Gedenktafel.

Foto: Heinz Gspan