2018-03-26

Konjunkturumfrage: trotz allem optimistisch

700.000 Arbeitskräfte fehlen in den kommenden 10-20 Jahren

Konjunkturumfrage Slowakei 2018: Ausländische Investoren bleiben zuversichtlich, Arbeitsmarktlage weiterhin kritisch

 Die  gute  konjunkturelle Stimmung unter den ausländischen Investoren in der Slowakei hält  weiterhin  an. Mehr  als 40  Prozent der 131 teilnehmenden Firmen möchten expandieren und  sind auf  Personalsuche. Mit den  Fortschritten bei  der  Korruptionsbekämpfung sind die  Firmen  so unzufrieden   wie    noch   nie,    das    größte   Problem   bleibt   jedoch   die Entwicklung auf  dem Arbeitsmarkt.

63 Prozent der befragten Unternehmen schätzen die  gegenwärtige Wirtschaftslage in der Slowakei  positiv  ein, dies  sind  18  Prozentpunkte mehr als  noch im Vorjahr. Nur drei Prozent stufen die  Situation als  schlecht ein. Mit einer  weiteren  Verbesserung   im   Jahresverlauf  rechnen  41  Prozent  der Betriebe. Jeder zweite Umfrageteilnehmer geht von einer unveränderten Lage der Gesamtwirtschaft aus.


Die Erwartungen für das eigene Unternehmen fallen noch zuversichtlicher aus.

44 Prozent der Firmen rechnen mit  besseren Geschäften, nur  8 Prozent der Betrieb machen  sich  auf  ein schlechteres  Geschäftsjahr  gefasst.  47  Prozent der  Unternehmen  möchten  deshalb  ihre Mitarbeiterzahl ausweiten  und   41
Prozent ihre Investitionen hochfahren.

 

„Trotz politischer Krise beurteilen die  ausländischen Investoren die Geschäftsaussichten überwiegend gut“, kommentiert Jürgen Knie,  Präsident der Deutsch-Slowakischen Industrie- und  Handelskammer (DSIHK) sowie Geschäftsführer von  Manz  Slovakia,  die  jüngsten Ergebnisse. „Bei der Einschätzung der gegenwärtigen Wirtschaftslage konnten wir in der Umfrage ein Zehn-Jahres-Hoch verzeichnen.“


Hans   Christian   Kügerl,   Handelsrat  der  österreichischen  Botschaft  in  der Slowakei und  Leiter von  ADVANTAGE AUSTRIA Bratislava, bestätigt, dass die wirtschaftliche  Erfolgsgeschichte  in  der  Slowakei  aus   Sicht   der österreichischen Wirtschaft weitergehen  wird.  Neue KMUs interessieren sich für Investitionen, viele  bestehende  Investoren weiten ihre lokalen Aktivitäten aus.


Den Standort Slowakei  zeichnen nach Meinung der befragten Investoren vor allem  die  Mitgliedschaft  in  der EU,  die  leistungsbereiten  und   produktiven Arbeitskräfte zu relativ moderaten Kosten sowie die Verfügbarkeit und  Qualität lokaler Zulieferer aus.  Insgesamt bewerten die  Teilnehmer die  Slowakische Republik   als    den   zweitattraktivsten   Investitionsstandort   in   Mittel-   und Osteuropa. Wie schon in den Vorjahren liegt Tschechien auf dem Spitzenplatz. Estland und   Slowenien teilen sich  die  Ränge drei  und   vier.  Der Anteil  der Unternehmen, die ihre Investition in der Slowakei auch unter heutigen Bedingungen wiederholen würden, bleibt stabil  bei 80 Prozent.


Bei den negativ wahrgenommenen  Standortfaktoren ist keine Verbesserung unter den Investoren festzustellen. Die Fachkräfteverfügbarkeit wird weiterhin als besonders kritisch gesehen. „Fachkräfte fehlen an allen Ecken und  Enden“, sagt Jürgen Knie. „Weil kaum eine Branche davon verschont bleibt, ist es das größte Wachstumshemmnis, das wir derzeit haben“, ergänzt der DSIHK- Präsident.


Zunehmend Sorgen bereitet vielen  Unternehmen auch die  Entwicklung der Arbeitskosten.  Neben dem  Fachkräftemangel  sorgen  zugleich die   kräftige Erhöhung des Mindestlohns und  der gesetzlichen Zuschläge auf  Nacht- und Wochenendarbeit für  Druck  auf  das   Lohnniveau. „Im Gegenzug  können  wir allerdings nicht  beobachten, dass in der Umfrage die  Zufriedenheit mit  der Produktivität zugenommen hätte“, hält Jürgen Knie fest.


„Deshalb  werden die  Themen Aus- und  Weiterbildung  sowie Investitionen in die  Automatisierung Schlüsselfaktoren  sein,  um  die  steigenden Lohnkosten durch  eine  höhere  Produktivität zu  kompensieren“,  ergänzt Hans   Christian Kügerl.


Mit  der  Korruptionsbekämpfung   sind   die   befragten  Investoren  durchweg unzufrieden. Sie  vergaben die  schlechteste  Bewertung seit  Einführung der Umfrage im  Jahr   2004.  „Die neue aufgestellte  Regierung muss  sich  daran messen lassen, ob  sie auf diesem Gebiet sichtbare Erfolge erzielt“, so  DSIHK- Präsident Knie.

 

 

 

 


Technische Parameter zur Umfrage


    Befragungszeitraum: Februar/März 2018

    Teilnehmerkreis:  Unternehmen, die  in der Slowakei  tätig  sind,  davon 82%
mit Eigentümern aus  anderen europäischen Ländern

    Anzahl Teilnehmer: 131 Unternehmen

    Beteiligung nach Sektoren:
Industrie (43,6%), Handel (19,9%), Dienstleistungen (36,6%)    Organisatoren:
   ADVANTAGE AUSTRIA in Bratislava
   Deutsch-Slowakische Industrie- und  Handelskammer
   Niederländische Handelskammer in der Slowakischen Republik
   Schwedische Handelskammer in der Slowakischen Republik
    Slowakisch-Österreichische Handelskammer

 

Foto: Präsentation der Studie am 26.3.2018

Foto: PZ/cm