2018-03-18

25 Jahre - sechs Botschafter erinnern sich

Rückblick aus Diplomatensicht

Sechser-Premiere in Mitteleuropa

 

Botschafter ließen 25 Jahre österreichisch-slowakische Beziehungen Revue passieren

 

Maximilian Pammer, der erste österreichische Botschafter in der Slowakei, trat seinen Dienst am 9. März 1993 an. Fast auf den Tag genau ein Vierteljahrhundert später lud Helfried Carl, Pammers nunmehr fünfter Nachfolger, ins Österreichische Kulturforum zu einem Stelldichein aller bisherigen österreichischen Botschafter in Bratislava ein. Ein vergleichbares Treffen hatte es in Mitteleuropa zuvor noch nicht gegeben, wie Carl in seiner Begrüßung hervorhob. Moderiert wurde die Runde vom slowakischen Politologen Jozef Bátora, der zurzeit an der Webster University Vienna lehrt.

 

Bewusst abseits der aktuellen Turbulenzen im Gastland Slowakei arrangiert, war es doch alles andere als ein unpolitischer Abend. Außer Prammer, der bis 1997 in Bratislava diente, kamen Gabriele Matzner (1997 bis 2001), Martin Bolldorf (2002 bis 2006), Helmut Wessely (2006 bis 2010), Markus Wuketich (2010 bis 2014) und natürlich auch der derzeitige Hausherr Helfried Carl zu Wort.

 

Entlang der Erinnerungskette, welche die sechs in mehr als zwei Stunden sponnen, konnten die mehr als 100 interessierten Zuhörer bestens testen, inwieweit sie die spannendsten Ereignisse aus 25 Jahren Slowakei selbst noch parat hatten. Als noch spannender erwiesen sich die persönlichen Schlussfolgerungen einer und eines jeden. Denn die Dienstjahre in der Slowakei waren und sind bei allen auch immer durch enge Bindungen zu den Einheimischen geprägt. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, wenn Helfried Carl betonte, dass beide Staaten sich selbst auf politischer Ebene inzwischen so nah seien, dass es nicht immer über die Botschaft laufe. Das bedeute aber nicht, dass die Menschen in beiden Ländern nicht noch deutlich mehr übereinander erfahren sollten als bisher.

 

Österreich gehörte zu den ersten Staaten, welche die Slowakei anerkannten. Eine der größten Herausforderung in den anfänglichen Beziehungen sei es gewesen, auch stellvertretend für andere das "gebotene Maß an Kritik" zu entwickeln, so Prammer. Gabriele Matzner profitierte von den Erfahrungen aus einem Land im permanenten rasanten Wandel etwa später in Tunesien und warb in London für eine uneingeschränkte Integration der Slowakei in die Europäische Union.

 

Es sei etwas schade, dass sich "der graue Alltag" auch in der Slowakei durchsetze, konstatierte Martin Bolldorf etwas wehmütig im Rückblick auf die Jahre, als der Rest der Welt über "den Tatra Tiger" staunte, der Jahr für Jahr mit mehr Wirtschaftswachstum glänzte. Helmut Wessely wartete unter anderem mit einigen Anekdoten zum Bau der Autobahn zwischen Österreich und der Slowakei auf. Er bedauerte, dass in Europa ein zunehmendes Desinteresse an grundsätzlichen Fragen der Außenpolitik zu beobachten sein. Markus Wuketich versuchte hier gegenzusteuern, indem er sich für eine wesentliche Verdichtung des bilateralen Gesprächsaustauschs einsetzte.

 

 

 Foto: Österreichisches Kulturforum Bratislava