2017-03-18

Ein „alter Hase“ zieht Bilanz

Außenpolitik-Insider Kukan sprach bei Handelskammer-Event über die EU und die Weltlage

 

Die slowakische EU-Ratspräsidentschaft sei höchst positiv verlaufen, bilanzierte vergangenen Freitag (17.3.2017) in Bratislava der mehrmalige Außenminister und nunmehrige EU-Abgeordnete der Slowakei, Eduard Kukan. Er sprach bei einer Veranstaltung der Slowakisch-Österreichischen Handelskammer (SOHK), deren Präsidentin Mária Berithová zahlreiche Mitglieder begrüßen konnte.

Ministerpräsident Robert Fico sei „ein Husarenstück gelungen, das Gipfeltreffen der EU-Regierungschefs in Bratislava durchzuführen“, meinte der rechts-liberale Spitzenpolitiker Kukan. „Im Vorfeld hatten viele in Brüssel und auch in den Medien Zweifel gehabt, ob die Slowakei überhaupt eine solche Präsidentschaft meistern könnten. Nun, die Aufgaben wurden alle gut erfüllt!“

Kukan streifte in seinem Referat vor SOHK-Gästen im Bratislavaer Hotel Mercure auch Geschichtliches und streute Österreich Rosen: „Sie waren die ersten, die uns bei unserer EU-Bewerbung unterstützt haben und Österreich hat uns auch in dem Beitrittsprozess sehr unter die Arme gegriffen!“

Zum Brexit: „Ich glaube, dass die Briten selbst nicht wirklich gewusst haben, worüber sie wirklich abstimmen.“

Zum Thema USA zeigte Kukan seine wahre diplomatische Formulierungskunst : „Die Wahl Trumps beweist ja immerhin, dass Amerika noch immer das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist.“

Zu den EU-Mitgliedern und der gegenwärtigen EU: „Jedes Land hat seine eigenen Interessen. Die EU macht gute Dinge, nur viel zu spät. Ebenso ist die Bürokratie exzellent. Nur denken sich die Bürokraten manchesmal Blödsinn aus. Wir haben in der Europäischen Union eine Leader-Krise. Viele gute Leute. Aber wir brauchen zusätzlich Menschen, die Visionen haben und alle mitreißen können!“

Zu Rechtsextremen in Österreich, Niederlanden etc.: „Meine Freunde von der ÖVP (Österreichische Volkspartei) haben mir gesagt, wie schwer es ihnen gefallen wäre, einen Grünen zum Bundespräsidenten zu wählen. Aber angesichts der Alternative wäre es nicht anders möglich gewesen.“ Für Kukan keine Frage: „Wenn es zum Schlimmsten kommt, dann müssen sich die demokratischen Kräfte verbünden“.

 

Eduard Kukan (* 26. Dezember 1939 in Trnovec nad Váhom) ist zurzeit Mitglied des Europäischen Parlaments und ehemaliger Außenminister der Slowakei.

Kukan studierte und schloss 1964 sein Studium am Staatlichen Moskauer Institut für Internationale Beziehungen ab und hat dabei den Grad des Doktors der Rechte an der Karls-Universität Prag erhalten.

Von 1964 bis 1990 war er im Außenministerium der Tschechoslowakei in verschiedenen Dienststellungen; so arbeitete er an den Botschaften in Lusaka (1968–1973), Washington, D.C. (1977–1981) und war Botschafter in Addis Abeba (1985–1988). Kurz nach der Wende im Jahr 1989, als er auch die seit 1964 bestehende Mitgliedschaft in der KSČ beendete,[1] war er zum Botschafter der Tschechoslowakei (1990–92) und Slowakei (1993–94) bei den Vereinten Nationen ernannt worden.

Im Zeitraum März 1994–Dezember 1994 war er Außenminister der vorübergehenden Regierung Moravčík. Nachdem war er 1995–1998 und 2000 Mitglied der Partei Demokratische Union und seit 1997 auch ihr Vorsitzender. Kurz vor den Parlamentswahlen 1998 wurde er Mitglied der Slowakischen Demokratischen Koalition und wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Kurz nach den Parlamentswahlen wurde er am 15. Oktober 1998 zum Außenminister der ersten Regierung von Mikuláš Dzurinda ernannt und blieb darauf auch in der zweiten Regierung von Dzurinda nach den Parlamentswahlen 2002. Vom 7. Mai 1999 bis zum 30. Juni 2000 war von UN-Generalsekretär Kofi Annan zum UN-Sondergesandten für den Balkan ernannt worden.

Bei den Präsidentschaftswahlen 2004 trat er als Regierungskandidat an, blieb aber in der ersten Runde knapp hinter Vladimír Mečiar und Ivan Gašparovič und konnte damit nicht an der Stichwahl teilnehmen. Seit dem Jahr 2000 ist er Mitglied der Partei Slowakische Demokratische und Christliche Union (SDKÚ, seit 2006 SDKÚ-DS). Nach den Parlamentswahlen 2006 wurde er Abgeordneter des slowakischen Parlaments, bevor er in den Europawahlen 2009 zum EP-Mitglieder für die SDKÚ-DS innerhalb der Europäischen Volkspartei gewählt wurde.

Kukan ist verheiratet und hat zwei Kinder; er spricht Englisch, Russisch, Spanisch und Swahili.

 

Foto:

Außenpolitik-Haudegen Eduard Kukan und SOHK-Präsidentin Mária Berithová (Mitte) beim Gruppenbild mit zahlreichen prominenten Gästen.

Foto: PZ/cm