2019-07-20

Was die "Pressburger" vor 100 Jahren schrieb

Chronist Roman Kriszt berichtet

Das interessierte vor hundert Jahren

 

Wir berichteten im Juni/Juli 1919

 

Neue Zeiten werden am schnellsten in neuen Straßenbezeichnungen sichtbar – im Juli ordnet die Stadtverwaltung die sofortige Umbenennung unter anderem folgender Örtlichkeiten an: Stefaniestraße in Stefanikstraße (heute nach wie vor Štefánikova ul.), Erzherzog-Friedrich-Straße in Sturstraße (heute Suché mýto), Kaiser-Wilhelm-Platz in Republikplatz (heute Nám. SNP), Franz-Josef-Platz in Masarykplatz (heute Hlavné nám.).

 

Wie weit das Leben in der Stadt aber noch von einem geregelten Normalzustand entfernt ist, zeigt sich an „Erleichterungen“, die Stadt-Oberkommandant Oberst Brau der Bevölkerung am 29. Juni zugesteht: Nachts darf man sich bis 22.30 Uhr auf den Straßen aufhalten, die Beleuchtung der Wohnungen ist bis 23 Uhr und das Offenhalten der Fenster wieder die ganze Nacht hindurch erlaubt. Streng untersagt ist jedwedes Zeichengeben oder Signalisieren an das jenseitige Donauufer (Konsequenz: kriegsgerichtliches Verfahren). Weiterhin gesperrt bleibt der Telefonverkehr für Privatpersonen (Telefongebühren werden allerdings weiter eingehoben).

 

Abwechslung vom tristen Alltag bietet die Donau, denn nicht nur Wien, sondern auch Pressburg hat sein Gänsehäufel: Von der drückenden Julihitze getrieben, machen Schwimmlustige am Brennerarm der Donau ein Plätzchen ausfindig und errichten dort ein improvisiertes Schwimmbad. Nachdem Oberstadthauptmann Brunner versichert wird, dass die Grenzen des Anstands dort nicht überschritten werden, gibt er nicht nur die Erlaubnis zum Weiterbetrieb, sondern lässt den Platz auch planieren, Sand freilegen und sorgt überdies für die Sicherheit der Badelustigen: für den polizeilichen Wachdienst bestimmt er nur solche Schutzleute, die des Schwimmens und der Rettungsmaßnahmen im Wasser kundig sind. Ausdrücklich festgehaltener Nebeneffekt dieses Sommervergnügens: Das der Sonnenkur und dem Wassersport huldigende Publikum setzt sich aus Angehörigen aller drei Nationalitäten zusammen, womit deren Annäherung zuwege gebracht wird.

 

Bild:

Die Donau war auch schon vor mehr als hundert Jahren ein beliebtes Erholungsgebiet.