2018-05-18

Statt Mordaufklärung: Schikane an Kuciak-Kollegin

Tschechische Investigativjournalistin von slowakischer Polizei festgenommen und schikaniert

Kuciak-Kollegin festgenommen, Handy durchsucht

Die Affäre um den ermordeten slowakischen Journalisten Jan Kuciak (†27) spitzt sich weiter zu. Die tschechische Top-Journalistin Pavla Holcova wurde von slowakischen Beamten mehrere Stunden ins Kreuzverhör genommen. Dann nahm man ihr das Handy ab. Das meldet das Schweizer Boulevardmedium „Blick“ in einem Bericht von Vinzenz Greiner.

Die Journalistin ist Gründerin des Tschechischen Zentrums für Investigativjournalismus (CCIZ) und eine Vertraute Kuciaks. Der hatte in seinen posthum veröffentlichten Recherchen die Verbandelung der italienischen Mafia mit dem slowakischen Regierungsbüro aufgedeckt. Am 21. Februar, wenige Stunden vor seiner Ermordung, schrieb er Holcova eine Nachricht über Recherchen, die in eine ähnliche Richtung führen.

Auf solche Konversationen haben es die slowakischen Beamten wohl abgesehen. Am Dienstag war Holcova in die Slowakei gereist, um als Zeugin zum Fall Kuciak auszusagen. Dort sei sie von drei Ermittlern acht Stunden am Stück befragt worden, schreibt Holcova auf der Seite des CCIZ. Ein Polizist habe ihr gesagt, dass sie ihr «ganzes professionelles Leben gegen das System sei».

Die Polizisten der Nationalen Kriminalagentur drohten mit einer Geldstrafe von 1650 Euro, wenn Holcova das Handy nicht herausrücke. Das tat sie widerwillig.

Das Netzwerk OCCRP, das gegen Korruption und organisierte Kriminalität kämpft, erklärte in einem Statement: «Wir fordern, dass die slowakische Polizei – sollte sie wirklich Interesse daran haben, den Fall zu lösen – das Handy zurückgibt.» Die Handlungen der Ermittler zielten wohl nicht auf die Lösung der Ermordung von Jan Kuciak, sondern gegen Investigativ-Arbeit von Reportern, heisst es weiter. Das OCCRP hat bereits Anwälte auf den Fall angesetzt.

 

Foto: https://www.investigace.cz