2018-03-29

25 Jahre Goethe-Institut Bratislava

Mehr als nur Vermittler deutsche Sprache

Das Goethe-Institut Bratislava beging diese Woche seinen 25. Geburtstag. Mit Blaskapelle, die die "99 Luftballons" von Nena intonierte, einem Zahlenregen der "25er", vielen guten Worten und Würdigungen, ging es in das nächste Vierteljahrhundert.

Das Institut, so stellten alle einmütig fest, ist nicht bloß ein Deutsch-Lern-Ort, sondern ein Ort, an dem vieles an Kultur, Lebensweise und Philosophie vermittelt wird.

Neben dem kürzlich neu gekommenen Direktor Friedrich Dahlhaus haben die stv. Leiterin Iveta Sládeková Ondrejková  und Öffentlichkeitsarbeiterin Linda Fintorová maßgeblichen Anteil an der gelungenen Jubiläumsfeier und an dem guten Erfolg des Instituts.    

 

Die zahlreichen Aktivitäten des Instituts kann man auf der Homepage nachlesen:

 

www.goethe.de/slowakei/gi25

 

25 Jahre Kultiviertheit

Die Kultur nimmt in der Gesellschaft eine Ausnahmeposition ein. Sie erscheint zwar immer als letzte auf der Bühne, dafür hat sie die höchste Reichweite, bis auf den Gipfel. Und wenn es ganz schlimm kommt, geht sie als erste ab.
 

Die Aufgabe ausländischer Kulturinstitute ist neben Sprachkursen auch die Entfaltung einer offenen Gesellschaft und die Entwicklung von Integrität. Dank dessen entstehen zahlreiche literarische Abende, Theateraufführungen, Ausstellungen, Filmfestivals, Konzerte oder Symposien.
In bestimmten Perioden gelangen auf wichtige Posten im Staat Menschen, die keine Visionäre sind, die die Bedingungen nicht verstehen, die ein Dienst für die Öffentlichkeit erfordert. Dann fragen viele: Wozu brauchen wir solch eine Institution? Wollen wir sie nicht abschaffen?

Die Fragen tauchen in den neuen demokratischen Gesellschaften, wie die Slowakei eine ist, regelmäßig auf. Die Prozesse schicken uns zwar wieder an den Nullpunkt zurück, ermöglichen aber gleichzeitig neue Verknüpfungen, denn wir werden gezwungen, Auswege zu suchen. Unsere Identität beruht nicht nur auf der Widerspiegelung des gesellschaftlichen Geschehens, sondern auch darauf, dass wir uns im internationalen Rahmen präsentieren, denn dort zeigt sich, wie stark diese Identität ist, wie sich das Land mit seinem kreativen Potenzial in einem weiter gefassten Kontext schlägt, ob es als Vorreiter fungiert und Trends setzt, oder sich eher vom Geschehen mitschleifen lässt. Bei Kulturprojekten mit westlichen Ländern lernen wir, uns zu entfalten und für Neues zu öffnen. Wir erfahren, auf welchem Niveau wir uns befinden, wie wir Dialoge führen, wie wir Plattformen für Diversität bauen. Die Kulturinstitute bemühen sich um Durchbrüche, Brückenschläge und die Beseitigung allzu scharfer Kanten.
Rádio_FM arbeitet langfristig mit dem Goethe-Institut zusammen. Gemeinsam bieten wir im öffentlich-rechtlichen Raum deutsche Kultur an: aktuelle Musik, aber auch Gespräche mit Persönlichkeiten aus Literatur und Gesellschaft.

Die umgesetzten Projekte in slowakisch-deutscher Zusammenarbeit zeigen, dass der Dialog in Europa möglich ist und sich weiter entfaltet. Die Aktivitäten des Goethe-Instituts reflektieren den kreativen, begeisterten und suchenden Menschen, der sich nicht damit identifizieren kann, dass irgendetwas NICHT geht. Das Team, das hinter den Aktivitäten steht, ist sich bewusst, dass auch das kleinste Teil eines Puzzles wichtig ist, und deshalb wirkt sein Tun als harmonisches Ganzes. In der Bibliothek, im Direktionsbüro und auch im Kaffeehaus begegne ich Menschen, mit denen ich inspiriert bin und mich wohlfühle. Jeder Kontakt ist wichtig. Auch das trägt zur Formung unserer Kultiviertheit bei.

Ich wünsche dem Goethe-Institut zum 25. Jubiläum, dass es seine Kulturprojekte mindestens in gleichem Umfang und genauso guter Qualität anbieten kann wie bisher!

Maroš Hečko, Musiker und Schriftsteller

 

Im Bild:

von links: neuer Institutsleiter Friedrich Dahlhaus, Österreich-Botschafter Helfried Carl, Bibliothekar und populärer zeitgenössischer slowakischer Autor Michal Hvorecký, Deutschlands Botschafter Joachim Bleicker.

Foto: PZ/cm